Mutti & Opa

"Mutti & Opa" hießen eigentlich Lotte und Kurt Triebke und waren meine Großeltern mütterlcherseits. Der Rufname "Mutti" stammte von meiner Mutter, die eben ihre Mutter so nannte. Das hatten wir Kinder uns von ganz klein  angenommen und sagten deshalb auch zur Oma stets "Mutti", selbst unser Vater tat das. Ich werde hier eine Reihe von Episoden aus dem Leben der beiden schreiben. Aber vorweg schon einmal: es waren zwei sehr herzliche, warmherzige Menschen mit einer großen Kinderliebe. 

Die Mutti wurde am 8. August 1907 in Elbing geboren und starb auch in Folge eines Schlaganfalls kurz vor ihrem 80. Geburtstag am 2. Juni 1987. Der Opa wurde am 22. Februar 1904 in Berlin geboren und starb am 17. Oktober 1987 an gebrochenem Herzen, weil er einfach nicht mehr ohne seine Lotte sein wollte.

Sie hatte manchmal ihren Spaß daran, ihn aufzuziehen. Wenn sie sich über ihn lustig machte, sagte sie "...och, der olle Krepel" und wenn er abgewaschen und Geschirr abgetrocknet hatte, lobte sie ihn als "mein Mariechen, das fleißige Mariechen"

Lotte und Kurt Triebke 1954 an ihrer Silberhochzeit (25 Jahre)

Die Familie 1942
Lotte und Kurt, Tochter Ingrid (mit Schleife im Haar) und die kleine Tochter Helga

Im Wohnzimmer der Triebkes in der Czarnikauer Straße, Mitte der 1960er Jahre. Kurt und Lotte. Die junge Frau hinten ist Ingrid, meine Mutter. Der Mann war Reinhold Burdeßa (ca. 1925 - um 2000) und der Vater von dem Jungen in grün, René (1961 - 2023). Das Mädchen ist meine älteste Schwester Marita (1960 - 2004)

Sie machten jeden Tag einen Spaziergang vor dem Kaffeetrinken. Ab den späten 1970ern hatten beide wegen ihrer schlechten Augen eine gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten. "Die Dreipunktbande", wie das scherzhaft im DDR-Volksmund hieß. Dann hakten sie sich beim Spazierengehen unter und leiteten sich gegenseitig. Es war ein wunderbares Bild zweier Menschen, die sich liebten.

1979 bei uns zu Hause. Mutti und Opa feiern "Goldene Hochzeit". Zu Feierlichkeiten waren wir in dem genau 24 m2 großen Wohnzimmer manchmal bis zu 12 Erwachsene und die vielen Kinder. Und trotzdem war immer noch 1 Quadratmeter Tanzfläche vor der Schrankwand. Der Opa war bis ins hohe Alter ein sehr galanter Tänzer.

An diesen kleinen Lese- und Rauchertisch im Wohnzimmer von Mutti & Opa kann ich mich gut erinnern. Dort saß er oft und las seine Zeitung, später mit einer großen Lupe. Und nur dort rauchte der Opa seine Tabakspfeife oder eine dicke Zigarre. An diesem Tisch saßen wir beide auch, wenn er mir so ab 1980 Geschichten aus seinem Leben erzählte oder wenn er einfach etwas philosophierte.

Mutti und Opa wohnten in der Czarnikauer Straße 18 und wir Driesener Straße 18. Meine Mutter und die Mutti unterhielten sich manchmal durch die geöffneten Küchenfenster über den Hof.