Peter Bahnemann - ein Freund
Peter Bahnemann hier an der Badestelle des Zeltlagers am Kölpinsee. Foto könnte um 1980 entstanden sein.
Peter Bahnemann starb an Krebs um seinen Geburtstag im April 2021. Ich glaube, es war der 71., weiß es aber nicht mehr genau. Auf einer meiner Radtouren im Sommer 2020 besuchte ich ihn in seiner Schwenziner Wohnung. Er überspielte seine tödliche Krankheit, von der er wusste, aber ich nicht, mit Lustigkeit. Peter war zeitlebens ein fröhlicher, geselliger Mensch mit einem unheimliche großen Herzen.
Mein Vater lernte ihn bereits in den 1960ern in Schwenzin kennen, als Peter noch Jugendlicher war und später Traktorist wurde. Peter hatte ein Wundmal im Gesicht. Die ganze rechte Mundhälfte und ein Teil des Gesichts waren rot verbrannt, er soll als Kind gegen einen heißen Ofen gefallen sein. Das aber tat seiner Herzensgüte und seiner Kinderliebe keinen Abbruch. Peter war ein Freund der Berliner im Zeltlager. Was er organisieren konnte und wo er Kontakte knüpfen konnte, um z.B. an einen besseren Traktor für das Lager zu kommen, machte er das. Meistens besuchte er das Lager mit seinem Traktor. Er hatte einen ZT-300. Ich durfte sogar ein ein paar gemeinsamen Übungsrunden auf der Kuhkoppel öfter allein mit dem Traktor fahren, obwohl ich erst 12 Jahre alt war. War auch ganz leicht, da ich mir nur die "Y-Schaltung" des Fahrgetriebes, Kupplung, Gas und Bremse einprägen musste. Einmal kam er aufgeregt vom Kaffee trinken am Zelt meines Vater runtergerannt und rief, es stinkt der ganze Wald nach verbranntem Gummi...ich hatte die Handbremse nicht gelöst und war mit Vollgas schon 20 Minuten lang auf der Koppel hin- und her gerast. Ich durfte trotzdem wieder allein fahren.
Peter kam sehr viele Abende gern ins Lager zu den "Erwachsenenrunden" am Grill. Das war damals so, dass man meistens Bier aus der Flasche trank und eine Schnapsflasche kreiste. Ja, wirklich: die Kultur war so, dass jeder der Männer abwechselnd eine Schnapsflasche kaufte, die dann reihum ging und man nahm einen Schluck - sogar die Frauen. Schnapsgläser gab es nicht oder die waren für den Eierlikör reserviert.
Peter kaufte sich um 1980 ein uraltes Auto, einen rotbraunen F8 aus den ersten Nachkriegsjahren. Die Türen gingen nach vorn auf, die Scheibenwischer waren oben und im Boden waren Löcher, so dass man den Weg sehen konnte. Trotzdem hat es ihm und uns Spaß gemacht, mit teilweise 8 Kindern darin den Waldweg zum Dorf hochzufahren.
Peter war auch immer Vermittler zwischen Berlinern und Schwenzinern, wenn irgendwie mal "dicke Luft" war. "Dicke Luft" war nicht wegen eines Streits oder so, so etwas gab es nie. Aber Berliner waren nicht überall beliebt, weil es ihnen konsummäßig besser ging als den anderen Regionen in der DDR. Da gab es eben manchmal Frust.
Einmal, es war Ende der 1970er Jahre, kam Peter mit seinem Traktor und hatte ein totes junges Wildschwein. Das hatte er in der Nacht versehentlich im Wald angefahren und er schenkte es uns. Unter den Schülern gab es einen Fleischer-Lehrling, Roland Kijewski, der das Tier fachgerecht abzog und zerlegte, so dass es Wildschwein vom Grill gab. Es dauerte allerdings sehr lange, bis Wildschwein gar wwurde auf einem Holzkohlegrill. Deshalb brachte man die anderen Teile (es waren etliche Kilo) in die Dorfküche und briet sie in der Kippbratpfanne an.