Meine Mutter

Meine im Jahre 2004 mit nur 44 Jahren verstorbene Schwester sagte einmal, wenn sie mit einem Satz ihre Eltern beschreiben sollte, würde sie den so formulieren: "Meine Mutter ist meine ganze Liebe und mein Vater mein ganzer Stolz." 

Unsere Eltern waren ein Leben lang für ihre Kinder da, wir waren fünf. Der Erstgeborene, Henry, starb mit knapp 6 Jahren im Sommer 1962 an einer zu spät behandelten Pilzvergiftung. Nur unsere älteste Schwester, die 1960 geboren wurde, kannte ihn. Aber sie starb an einem schlimmen und sehr aggressiven Krebs mit nur 44 Jahren. Unser Vater starb in Folge einer langen schweren Krankheit, die sich über Jahre zog, mit gerade mal 64.

Wenn wir Jungen unser Zimmer wieder nicht aufgeräumt hatten und Mutter das nach ihrer anstrengenden Arbeit machte, seufzte sie manchmal "Ihr bringt mich noch früh unter die Erde". Seit ihrem 80. Geburtstag erinnere ich sie immer wieder scherzhaft an diesen Satz und dass das ja nicht passiert ist.  

Irgendwann hart ein Mensch alles materielle, genügend Gläser, Blumenvasen, Tischdecken usw. Deshalb haben wir als Geburtstagsgeschenke seit ihren Geburtstagen als Witwe immer versucht, durch eine schöne Feier einen Tag zu bereiten, an den sie gern denkt. 

Zu ihrem 80. Geburtstag haben wir eine große Party auf unserem Grundstück gemacht und ich habe mit ihr zur Erinnerung an ihren Mann, der ein galanter Tänzer war, einen Walzer getanzt. Zu ihrem 88. Geburtstag arrangierten wir den Pankower Spielmannszug e.V., der ihr mit fantastischen Märschen und Medleys den Tag versüßte. Sie war voll in ihrem Element, die Musiker zu dirigieren und bei mancher Marschmusik erinnerte sie sich an ihre eigenen Eltern, die dann rhythmisch mitmachten. Der 89. Geburtstag sollte wieder etwas besonderes werden. Alles war vorbereitet und ein paar Tage vorher sagt sie, ich soll alles absagen. Ihr wird das zu viel, so viele Menschen und so viel Aufregung. Ich habe es geschafft, sie zu überzeugen, zu ihrer eigenen Party zu kommen. Wir haben Leierkastenspieler gehabt und das hat ihr sehr gefallen - natürlich auch, ganz viele aus der Familie und dem Freundeskreis um sich zu haben. War doch zu dieser Zeit ihre eigene jüngere Schwester bereits tot. Sie hatte unheimlich viel Spaß - auch beim selber den Leierkasten kurbeln. Diese Fete haben wir nicht bei uns zu Hause gemacht, sondern im Dorf in unserem Lieblings-Griechen, dem "Pegasos", die sich ebenfalls unheimlich viel Mühe gegeben haben.