Maginotlinie
Bei meinem ersten Wanderurlaub 1996 staunte ich nicht schlecht über einen kleinen Bunker im Riesengebirge. Es dauerte nicht lange und ich sah immer mehr von ihnen. Ich hatte angefangen zu recherchieren. Damals ohne Internet war das noch etwas schwieriger als heute. Mit der Machtübernahme durch Hitler fühlten sich die europäischen Nachbarn Deutschlands bedroht. Die Tschechoslowaken begannen, leider zu spät und zu halbherzig, im Sudetenland eine Befestigungsanlage zum Deutschen Reich zu errichten. Eine Kette von Kleinkampfbunkern und in bestimmten Abständen Arsenale für größere Truppeneinheiten. Nach dem französischen Vorbild nennt man diesen "Tschechoslowakischen Wall" auch "kleine Maginotlinie". Hin nach Schlesien war es eine schier unüberwindliche Bunkerkette im Riesengebirge. Hätte die Wehrmacht aus Schlesien einen Angriff gestartet, wären wahrscheinlich zehntausende deutscher Soldaten verblutet, ohne dass die Anlagen hätten gestürmt werden können.
Der "Tschechoslowakische Wall" sollte planmäßig im Jahre 1950 fertig sein. Warum man sich so viele Jahre Zeit gelassen hatte mit dieser Planung ist unklar, weil doch die Bedrohung rasant wuchs.
Hitler hätte sich 1938 die Zähne ausgebissen
Die Wehrmacht war 1938 noch lange nicht so stark, wie zum Beginn des Überfalls auf Polen. Die Tschechoslowakische Armee dagegen war 1938 eine der schlagkräftigsten Europas mit 200.000 aktiven Soldaten und 50.000 Reservisten. Auch die Bewaffnung war auf modernem Stand. Sie hätte Hitlers Truppen einen erbitterten, vielleicht sogar erfolgreichen, Widerstand entgegensetzen können, wenn Hitler die CSR überfallen hätte. Eine Schwachstelle waren die Sudetendeutschen geworden, die Feindseligkeiten zwischen vielen von ihnen und den ethnischen Tschechoslowaken war sehr angespannt. Jahrhundertelange Harmonie war durch Polithaserdeure auf beiden Seiten zerstört worden. Daher bestand die Möglichkeit, dass durch sudetendeutsche Bewohner der Gebirgsregionen der Transport von Material und Munition zu den Bunkerlinien hätte behindert werden können durch den Bau von Barrikaden auf den Bergstraßen oder deren Verschüttung durch Auslösung von Lawinen. Letztlich ließ Hitler die Stimmung der Sudetendeutschen durch eine eigens dort gegründete faschistische Partei unter Konrad Henlein anheizen, dass eine regelrechte "Heim-ins-Reich-Stimmung" existierte. Gemeinsam mit dem feigen Verrat der CSR durch die westlichen Demokratien (Großbritannien und Frankreich), durch ihre fatale Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik), die im September 1938 im Münchener Abkommen mündete, war die CSR eine leichte Beute für Hitler. Außerdem war im März 1938 bereits durch den "Anschluss Österreichs" an das Reich die gesamte Südgrenze der Tschechoslowakei ungeschützt.
Der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels und Osteuropa-Historiker, Karl Schlögel, emeritierter Professor an der Viadrina Universität Frankfurt/Oder, hat die Lehre von 1938 in Bezug auf den russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine messerscharf analysiert
Diese Bunker habe ich in etwa 1.300 m Höhe im Riesengebirge in Richtung Elbwiesen "Panschen Labe" fotografiert.