Auf dem Vesuv
Der Vesuv ist ein aktiver Vulkan. Er liegt am Golf von Neapel neun Kilometer von der Stadt Neapel entfernt. Der Berg ist heute 1281 m s.l.m. hoch. Er besteht aus den Resten eines früher wesentlich höheren, älteren Schichtvulkans, des Monte Somma, dessen Spitze bei seinem Ausbruch 79 n. Chr. zu einer Caldera eingestürzt ist, und dem im Inneren des Einsturzbeckens neugebildeten Kegel des „eigentlichen“ Vesuv.[2]
Die Aktivität des Vesuv löst wiederkehrende plinianische Eruptionen aus. Das typische Kennzeichen dieser explosiven Vulkanausbrüche ist das Aufsteigen einer kilometerhohen Eruptionssäule und der schnelle Ausstoß großer Mengen vulkanischen Materials.[Anm. 1] Die großen Vesuv-Ausbrüche sind zudem von pyroklastischen Strömen begleitet, die zu den gefährlichsten Formen des Vulkanismus zählen. Diesen Großereignissen folgen aktive Phasen mit Eruptionen vom Stromboli-Typ und effusiven Austritten von Lava. Der anschließende Ruhezustand kann mehrere hundert Jahre andauern und endet mit einem erneuten großen Ausbruch.
Die letzten Erdbeben in den flegreischen Feldern gab es im Mai 2024. Heute ist unklar, ob bei einem erneuten großen Ausbruch die gesamten flegreischen Felder aufgehen würden, was einem unvorstellbare riesigem Supervulkan gleich käme.
Der Vesuv liegt direkt neben der Millionenstadt Neapel. In seinem unmittelbaren Gefahrenbereich leben heute etwa 700.000 Menschen. Die italienischen Behörden nennen diesen Bereich die „Rote Zone“, in der bei einem größeren Ausbruch mit pyroklastischen Strömen gerechnet werden muss.
Bei einem Ausbruch in der Größenordnung von 1631 oder größer müssten:
- etwa 700.000 Menschen aus der Roten Zone evakuiert werden,
- zusätzlich könnten in angrenzenden Gebieten weitere Hunderttausende bis über 1 Million Menschen betroffen sein,
- im Großraum Neapel leben insgesamt rund 3 Millionen Menschen.
Die italienischen Notfallpläne sehen vor, die Bewohner der Roten Zone innerhalb von etwa 72 Stunden (3 Tagen) zu evakuieren. Das setzt allerdings voraus, dass der Vulkan Tage bis Wochen vorher deutliche Warnsignale liefert.
Bei einem extrem großen Ausbruch wie demjenigen von 79 n. Chr., der Pompeji zerstörte, wären vermutlich weit über 1 Million Menschen von Evakuierungen oder schweren Einschränkungen betroffen. Der Flugverkehr, Straßen- und Bahnverbindungen könnten zusätzlich durch Ascheregen beeinträchtigt werden.
Zum Glück kündigen sich große Vesuv-Ausbrüche normalerweise durch:
- zunehmende Erdbeben,
- Bodenhebungen,
- Veränderungen von Gasemissionen
an, sodass Experten wahrscheinlich mehrere Tage bis Wochen Vorwarnzeit hätten.
Zum Vergleich: Die geplante Evakuierung von etwa 700.000 Menschen in 72 Stunden wäre eine der größten Evakuierungsaktionen Europas in Friedenszeiten.
Der Vesuv wird also 24 Stunden seismologisch überwacht. Allerdings halten Wissenschaftler die Evakuierungspläne der Regierung für völlig unzureichend. Durch die dichte Bebauung in den letzten Jahrzehnten müssten möglicherweise alle 3 Millionen Menschen evakuiert werden, was logistisch kaum vorstellbar ist.